SARS-CoV-2 Schlachtfelder: Verbreitung, Masken, Immunität, Herkunft

Nach mehr als einem halben Jahr SARS-CoV-2 ist es an der Zeit, ein kleines Fazit zu ziehen. Wir wollen das anhand von vier Konfliktfeldern machen, die sich seit Beginn der Pandemie herauskristallisiert haben:

  • Verbreitung von SARS-CoV-2;
  • Immunität gegen SARS-CoV-2;
  • Herkunft von SARS-CoV-2;
  • Schutz durch Masken;

Aufgrund der Vielzahl der Studien haben wir die Aufgabe, die Ergebnisse zusammenzustellen und zu gewichten, auf zwei Posts verteilt. In diesem behandeln wir den Schutz durch Masken und die Verbreitung von SARS-CoV-2.



Schutz durch Masken

Fangen wir hinten an, denn das Thema, das wir als das ansehen, das unter den genannten am wenigsten wichtig ist, hat die Freiheitsliebe in Menschen geweckt, die bis gestern noch gar nicht wussten, dass sie sie haben, die nun aber umso leidenschaftlicher gegen die Face-Nappies, wie der britische Journalist Peter Hitchens die Masken nennt, kämpfen.

Unsere Position zu Masken haben wir bereits am 30. März formuliert. Sie hat sich bis heute nicht verändert: Masken schützen. Die Begründung ist schnell erbracht:

  • Mit SARS-CoV-2 Infizierte werden durch eine Maske daran gehindert, SARS-CoV-2 umfänglich zu verbreiten. Da viele SARS-CoV-2 Träger asymptomatisch sind, eine sinnvolle Sache.
  • Masken verhindern, dass SARS-CoV-2 auf Flächen, Handläufe oder Sitze im ÖPNV geniest oder gehustet wird. Da SARS-CoV-2 tagelang auf unterschiedlichen Oberflächen überleben kann, ein nicht unbedeutender Schutz vor Ansteckung.
  • Masken verhindern, dass man sich mit der Hand oder einem Finger an der Nase, dem Mund herumfuchtelt und erinnern daran, dass man besser nicht in den Augen reibt, sich nicht ins Gesicht fasst. Alles sehr gute Wege, SARS-CoV-2 über die Schleimhäute in Mund, Nase und Augen aufzunehmen.
  • Selbst schlechte Masken reduzieren in jedem Fall die Menge der aufgenommenen Viren, was die Wahrscheinlichkeit einer schweren Erkrankung an COVID-19 reduziert. Eine Studie von Kelvin Kai-Wang To und etlichen Ko-Auoren (2020) zeigt, dass in den ersten Tagen einer COVID-19 Erkrankung, die Anzahl der SARS-CoV-2 Viren, die im Rachen gebildet und ausgehustet werden, besonders hoch ist, was die schnelle Verbreitung von SARS-CoV-2 erklären kann und noch ein Grund ist, eine Maske zu tragen.

Virenschutz mit Stil


Seit Ende März sind eine Reihe von Studien durchgeführt worden, die zu dem Schluss kommen, dass Masken schützen, eine Maskenpflicht somit eine sinnvolle Sache sein kann. Stellvertretend sei an dieser Stelle eine Studie der britischen Royal Society genannt, die auf Grundlage vorliegender Untersuchungen zu den folgenden Ergebnissen gekommen ist:

  • Masken hindern asymptomatische Träger von SARS-CoV-2 daran, ihre Virenlast freigiebig in die Umwelt zu nießen.
  • SARS-CoV-2 hat die Fähigkeit, aerosol zu wandern und einen neuen Host zu suchen (auch wenn diese Fähigkeit, wie eine Studie zeigt, die wir hier besprochen haben, möglicherweise überschätzt wird), Masken schützen davor;
  • Selbst für Stoffmasken wurde in Studien gezeigt, dass sie einen Schutz, wenn auch keinen guten vor SARS-CoV-2 bieten können.

In den Worten der Autoren der Royal Society:

“Our analysis suggests that their use could reduce onward transmission by asymptomatic and pre-symptomatic wearers if widely used in situations where physical distancing is not possible or predictable, contrasting to the standard use of masks for the protection of wearers. If correctly used on this basis, face masks, including homemade cloth masks, can contribute to reducing viral transmission.”



Es gibt nicht nur Argumente für das Tragen von Masken, es gibt auch Argumente dagegen. Eine ganze Latte von Einwänden haben Antonio Ivan Lazzarino, Andrew Steptoe, Mark Hamer und Susan Michie in diesem Beitrag zusammengestellt: Die Argumente stammen wiederum aus anderen Studien, die zu dem Ergebnis gekommen sind,

  • dass das Tragen von Masken die Träger in ein Gefühl der Sicherheit lullen kann, so dass sie andere wichtige Maßnahmen gegen SARS-CoV-2 (Abstand halten, Hände waschen) vernachlässigen;
  • dass Masken, die schlecht sitzen oder den Träger stören, dazu führen können, dass er die Maske befingert und den Schutz dadurch beseitigt;
  • dass eine wahrgenommene Behinderung beim Sprechen durch das Tragen von Masken dazu führen kann, dass sich Menschen näher kommen, um sich zu verstehen – unbewusst versteht sich;
  • dass durch das Tragen einer Maske, die ausgeatmete Luft in die Augen geht, was dazu führen kann, sich die Augen zu reiben, was, wenn die Hände mit SARS-CoV-2 infiziert sind, misslich wäre;
  • dass durch das Tragen von Masken das Atmen schwieriger und die Menge von CO2, die wieder eingeatmet wird, erhöht wird, was zu einer höheren Atemfrequenz und Atemtiefe führen und die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken, erhöhen kann;
  • Die körpereigene Abwehrkraft gegen eine Infektion mit SARS-CoV-2 hängt von der Virenladung ab, mit der ein Organismus zu kämpfen hat. In einem feuchten Umfeld, in dem Masken schnell feucht werden, kann sich SARS-CoV-2 an der Oberfläche der Maske anlagern und durch die Feuchtigkeit länger überleben.

Die Frage, ob man eine Maske tragen will oder nicht, ist eine schlichte Frage danach, auf welcher Seite man sich irren will, der sicheren oder der infizierten…

 

Verbreitung von SARS-CoV-2

Das einzige, was sich über die Verbreitung von SARS-CoV-2 sagen lässt, ist, dass sie regional verschieden ist. Wir haben eine Reihe von Studien auf ScienceFiles besprochen, die zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen gekommen sind, egal, ob sie auf Serologie oder auf Tests zur Bestimmung einer Infektion zurückgegriffen haben.

So kommt die englische REACT-Studie zu einer sehr geringen Verbreitung von SARS-CoV-2 in England, eigentlich einem Hotspot für SARS-CoV-2:

Die Prävalenz von SARS-CoV-2 in der englischen Bevölkerung, die sich in der REACT-Studie auf Basis der serologischen Bestimmung von Antikörpern ergibt, beträgt 0,13%. Sie ist damit deutlich geringer als in den meisten Modellen geschätzt, in denen sie zwischen 2% und 8% liegt. Zum Zeitpunkt der Datenerhebung, rund eineinhalb Monate nach dem britischen Lockdown Ende März, waren somit viel weniger Menschen als vorhergesagt mit SARS-CoV-2 infiziert. Unter 120.610 Getesteten finden sich lediglich 159 positiv Getestete.



Zu einem anderen Ergebnis kommen John P.A. Ioannidis et al. (2020) in ihrer Santa Clara Studie und Hendrick Streeck in der Gangelt Studie für Deutschland. Ionnidis kommen auf Basis der serologischen Bestimmung von Antikörpern zu einer Verbreitung von SARS-CoV-2 von zwischen 1,8% und 3,2% (Santa Clara). Streeck kommt für die Gemeinde Gangelt auf eine Verbreitung von 2%. Wir haben beide Studien hier besprochen.

Serologische Untersuchungen scheinen sich derzeit als eine Art “Mode” oder “Standard” zu etablieren. Das haben Niklas Bobrovitz, Rahul Krishan Arora, Hannah Rahim, Nathan Duarte, Emily Boucher, Jordan Van Wyk und Timothy Grant Evans zum Anlass genommen, um eine Metastudie durchzuführen, in die 73 serologische Studien eingegangen sind. Die Studien bringen es zusammen auf 35.784 Personen, denen Blut in 20 Ländern abgezapft wurde. Die Ergebnisse sind eklatant unterschiedlich: Die Verbreitung von SARS-CoV-2 variiert zwischen 0,4% und 59,3%. Nimmt man an, dass die Ergebnisse korrekt sind, dann wird dadurch die hohe lokale Variabilität der Verbreitung von SARS-CoV-2 belegt. Indes zeigen die Qualitätsmaße, die die Autoren für die jeweiligen Studien errechnen, dass man nicht allzu viel Vertrauen in die jeweiligen Ergebnisse setzen sollte. Das typische, in diesem Fall englisch-kanadische Understatement liest sich wie folgt:

“Study design, quality, and prevalence estimates of early SARS-CoV2 serosurveys are heterogeneous, suggesting that the urgency to examine seroprevalence may have compromised methodological rigour.”

Wie wir im Zusammenhang der Ergebnisse der Santa Clara Studie berichtet haben, gibt es eine Vielzahl von Tests, die alle von sich behaupten, sie würden Antikörper bestimmen, die gegen SARS-CoV-2 gebildet wurden, die in ihrer Qualität aber erheblich variieren. Die Ergebnisse von Bobrovitz et al. sind daher nicht überraschend.

Wer sich für die katastrophale Qualität serologischer Studien zu COVID-19 interessiert, dem sei die folgende Studie der McGill-University in Montréal empfohlen, die zu einem verheerenden Ergebnis kommt, das wir einfach einmal in Gänze zitieren. Es gibt eigentlich nichts, was man angesichts dieser Ergebnisse noch vorbringen kann, um serologischen Junk zu verteidigen, man muss statt dessen wieder einmal konstatieren, dass das Fieber, vorschnell Studien durchzuführen, um dann mit halbgaren bis vollkommen rohen Ergebnissen an die Presse treten zu können, um sich einen temporären Platz im schnelllebigen Walhall der Medien zu sichern, in den letzten Monaten erheblich zu Lasten der Qualität wissenschaftlicher Studien gegangen ist:

“5016 references were identified and 40 studies included. 49 risk of bias assessments were carried out (one for each population and method evaluated). High risk of patient selection bias was found in 98% (48/49) of assessments and high or unclear risk of bias from performance or interpretation of the serological test in 73% (36/49). Only 10% (4/40) of studies included outpatients. Only two studies evaluated tests at the point of care. For each method of testing, pooled sensitivity and specificity were not associated with the immunoglobulin class measured. The pooled sensitivity of ELISAs measuring IgG or IgM was 84.3% (95% confidence interval 75.6% to 90.9%), of LFIAs was 66.0% (49.3% to 79.3%), and of CLIAs was 97.8% (46.2% to 100%). In all analyses, pooled sensitivity was lower for LFIAs, the potential point-of-care method. Pooled specificities ranged from 96.6% to 99.7%. Of the samples used for estimating specificity, 83% (10 465/12 547) were from populations tested before the epidemic or not suspected of having covid-19. Among LFIAs, pooled sensitivity of commercial kits (65.0%, 49.0% to 78.2%) was lower than that of non-commercial tests (88.2%, 83.6% to 91.3%). Heterogeneity was seen in all analyses. Sensitivity was higher at least three weeks after symptom onset (ranging from 69.9% to 98.9%) compared with within the first week (from 13.4% to 50.3%).”

Die Studie (oder der Verriss) von Mayara Lisboa Bastos, Gamuchirai Tavaziva, Syed Kunal Abidi, Jonathon R Campbell, Louis-Patrick Haraoui, James C Johnston, Zhiyi Lan, Stephanie Law, Emily MacLean, Anete Trajman, Dick Menzies, Andrea Benedetti und Faiz Ahmad Khan findet sich hier in voller Länge.

Zusammenfassend für den ersten Teil unserer Übersicht kann man somit feststellen:

  • Die Entscheidung darüber, ob man eine Maske tragen will oder nicht, ist eine Entscheidung, ob man sich auf der richtigen oder der falschen Seite irren will.
  • Die Verbreitung von SARS-CoV-2 in Bevölkerungen ist unterschiedlich. Wie unterschiedlich? Sehr unterschiedliche. Aber so richtig weiß das niemand.

Wir haben die Forschung zu SARS-CoV-2 seit Ende Januar auf ScienceFiles begleitet und können vor dem Hintergrund der vielen Studien, die wir besprochen haben, feststellen, dass sich wieder einmal zeigt, wie begrenzt menschliches Wissen einerseits und wie mühsam der Erkenntnisprozess andererseits ist. Dieses Ergebnis steht in krassem Gegensatz zur Gewissheit, die Politdarsteller und Aktivisten und Überzeugte und wer auch immer zu haben vorgeben, denn tatsächlich kann niemand auf Basis der empirischen Fakten, wie sie bislang erforscht sind, von irgendetwas behaupten, das es ein sicherer Befund ist – es sei denn, man bildet sich ein, dpa-Faktenchecker zu sein und beweist seine Inkompetenz dadurch, abschließende Urteile zu einem im Fluss befindlichen Erkenntnisprozess zu treffen. Aber damit kommen wir bereits in den Bereich des Totalitarismus, den Dr. habil. Heike Diefenbach in einer Reihe von Beiträgen auf ScienceFiles diskutiert hat.



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